15.08.2022 | Frank Fuhrmann in:

Energieerzeugung à la „Wunsiedel“: Dezentral, autark und nachhaltig

Die Wasserstoff-Modellregion Fichtelgebirge steht für die Vision einer grünen, unabhängigen und dauerhaft sicheren Energieversorgung. Die etwa 10.000 Einwohner der Kleinstadt Wunsiedel werden über Solar-, Wind- und Biomasseenergie fast völlig unabhängig mit Strom und Wärme versorgt. Das Konzept basiert auf der Idee, die vor Ort verfügbaren Ressourcen zur Energieerzeugung und -speicherung zu nutzen, um langfristig eine eigenständige Energieversorgung für Wunsiedel zu schaffen. Die im Probebetrieb laufende Elektrolyse-Anlage im Energiepark soll zukünftig grünen Wasserstoff produzieren, welcher bei Bedarf verstromt werden kann.

Bestmögliche Verwertung aller Ressourcen für eine optimale Klimabilanz

Dezentral, autonom und klimafreundlich – der „Wunsiedler Weg“ gilt als deutsches Vorreiterprojekt im Bereich der nachhaltigen Energieerzeugung. Die rund 10.000 Einwohner in Wunsiedel werden mit Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien versorgt. Realisiert wird dies durch den Energiepark Wunsiedel. Der Energiepark basiert auf der Idee, alle verfügbaren regionalen Ressourcen zu verwerten und für eine nachhaltige Energieerzeugung einzusetzen. So werden die Holzreste und Sägespäne, die als Abfall des benachbarten Sägewerks anfallen, im Energiepark in einem Biomasse-Heizwerk verbrannt. Dadurch wird Wasser erhitzt und der entstehende Wasserdampf treibt eine Turbine an, durch die Strom erzeugt wird. Die durch diesen Prozess entstehende Abwärme wird zum Heizen und zur Trocknung der Sägespäne genutzt, um aus diesen Holzpellets herzustellen. Die Pellets können als Rohstoff für die weitere Energieerzeugung eingesetzt und verbrannt werden, so ist auch in den kälteren Jahreszeiten die Versorgungssicherheit durch den Einsatz der Pellets gewährleistet. Seit März 2019 ist das neue Pelletwerk der WUN Pellets GmbH in Wunsiedel in Betrieb. Das angeschlossene Blockheizkraftwerk des Pelletwerks wird mit drei MWM TCG 2032B V16 Gasmotoren betrieben, welche die dezentrale Energieversorgung mit elektrischer und thermischer Energie sicherstellen. Für die besonders hohe Energieeffizienz und Flexibilität wurde das Blockheizkraftwerk von der Fachzeitschrift Energie & Management zum „BHKW des Monats“ März 2019 gekürt. Neben Biomasse wird in Wunsiedel durch den Einsatz von Windrädern und Photovoltaikanlagen aus Wind und Sonne Energie gewonnen.

Mit grünem Wasserstoff nachhaltig produzierten Strom längerfristig speichern

Um den aus Biomasse, Sonne und Wind produzierten Ökostrom über einen langen Zeitraum lagern und bei Bedarf nutzen zu können, muss ein Zwischenspeicher her. Die Lösung: grüner Wasserstoff. Dieser wird mittels Elektrolyse hergestellt, was elektrische Energie benötigt. Wird diese Energie für die Elektrolyse aus regenerativen Quellen produziert, entsteht CO2-neutraler, grüner Wasserstoff. Dieser kann in oberirdischen Speichern gelagert oder nach der Weiterverarbeitung als Gas in das Erdgasnetz eingespeist werden. Die im Energiepark Wunsiedel errichtete Elektrolyse-Anlage zählt zu den größten in ganz Deutschland. Speisen die Photovoltaik- und Windkraftanlagen in Wunsiedel zu viel Strom in das öffentliche Netz ein, springt die sechs Megawatt starke Anlage im Park an, um aus dem überschüssigen Strom Wasserstoff zu produzieren. Bei schwankender Verfügbarkeit von Wind- und Sonnenenergie kann dann auf den gespeicherten Wasserstoff zurückgegriffen werden, um diesen zu verstromen und die Einwohner von Wunsiedel mit Energie zu versorgen. Aktuell läuft die Elektrolyse-Anlage des Energieparks im Probebetrieb und soll im Herbst dieses Jahres offiziell eröffnet werden. Bis zu 1.350 Tonnen grüner Wasserstoff soll mithilfe der Anlage pro Jahr in Zukunft in Wunsiedel produziert werden.

Grüner Wasserstoff – ein Schlüsselelement in der nachhaltigen Energieerzeugung

Laut den Stadtwerken Wunsiedel sind von den 4.000 Haushalten in der Region aktuell nur noch 1.000 von Gas abhängig. Das angestrebte Ziel in den nächsten Jahren ist es, komplett unabhängig von Erdgas zu werden und 100 Prozent Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien zu nutzen. Um grünen Wasserstoff in großem Stil herstellen und den Bedarf der Industrie zu decken, müssen die erneuerbaren Energien deutlich ausgebaut werden. Das Projekt Wunsiedel zeigt, dass neben den erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind und Biomasse der Schlüssel in grünem Wasserstoff liegt. Grüner Wasserstoff kann überall dort eingesetzt werden, wo der Energiebedarf besonders hoch ist und nicht durch den Einsatz von Batterien als Stromspeicher gedeckt werden kann. Um Wasserstoff als Energieträger jederzeit am gewünschten Ort in ausreichender Menge nutzen zu können, müssen der Infrastrukturaufbau für den Transport und die Lagerung sowie Investitionen in die Herstellung von Wasserstoff seitens der Politik jetzt in Angriff genommen und vorangetrieben werden.

Foto: © PhotoGranary, Adobe Stock

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